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Börsengänge von Technologie-Unternehmen

Wir können es und wir tun es!

Überraschung! Deutschland kann wieder Börsengänge von Technologie-Unternehmen. Die Erstnotizen (IPO) der vergangenen 14 Monate zeigen das deutlich. So sammelte allein Rocket Internet im Herbst 2014 bei seinem Gang aufs Börsenparkett 1,6 Milliarden Euro ein. Nur einen Tag davor spülte das IPO des Modeversenders Zalando 500 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens.

Auch 2015 beeindrucken die Börsengänge deutscher Tech-Unternehmen. Der Portal-Betreiber Scout24 sammelte 1,16 Milliarden Euro ein, in die Wacker-Chemie-Tochter Siltronic flossen 374 Millionen Euro und das E-Commerce-Start-up Windeln.de brachte es auf 205 Millionen Euro.

In dieser illustren Liste fehlt zwar der Kochboxen-Versender HelloFresh. Doch das liegt wohl nur an einer unschönen menschlichen Eigenschaft: Nämlich der Gier! Der geplante Börsengang Ende November sollte zwischen 300 und 500 Millionen Euro einbringen. Gerüchten zufolge wollte Oliver Samwer, Chef des HelloFresh-Hauptanteilseigners Rocket Internet, dabei eine Unternehmensbewertung von rund 3,3 Milliarden Euro durchsetzen. Für ein vier Jahre altes Start-up mit einem angestrebten Umsatz von 102 Millionen für das vierte Quartal 2015 ist das mehr als gewagt. Manchmal ist es eben geschickter, kleinere Brötchen zu backen und mit einer geringeren Bewertung an die Börse zu gehen.

Das sollte auch Samwer bewusst sein, vor allem wenn er einen Blick auf die Entwicklung des Aktienkurses seines eigenen Unternehmens wirft. Vom zwischenzeitlichen Höchststand von mehr als 60 Euro pro Aktie ist Rocket Internet bereits seit längerem weit entfernt. Seit Mitte August konnte das Wertpapier die Marke von 30 Euro nicht dauerhaft überspringen.

Jedenfalls ist zu hoffen, dass die nächsten IPO-Kandidaten aus dem Tech-Sektor diese Entwicklung genau verfolgt haben – und hoffentlich haben sie ihre Lehren daraus gezogen!

Deutschland braucht Börsengänge von Technologie-Unternehmen

Trotz des IPO-Booms besteht in Deutschland in Punkto Aktien und Aktienfonds nach wie vor ein großer Nachholbedarf. Laut des Deutschen Aktieninstituts besitzen gerade einmal 8,4 Millionen Deutsche Unternehmenspapiere. Dementsprechend sind hierzulande lediglich knapp sieben Prozent des gesamten Geldvermögens in Aktien angelegt. Nicht einmal das anhaltende Niedrigzinsumfeld hat die Attraktivität der Wertpapiere steigern können.

Emotional aufgeladene Wachstumsunternehmen könnten nun der Schlüssel sein, damit sich wieder mehr Deutsche mit dem Thema Aktien beschäftigen. Aus dem Internet-Sektor gelten der Lieferservice-Vermittler Delivery Hero, das Fintech-Start-up Kreditech, das Online-Auktionshaus Auctionata oder der Brillenversender Mister Spex als heiße Kandidaten für ein IPO in der nächsten Zeit.

Im Schatten dieser schnell wachsenden Internet-Firmen existieren jedoch zahlreiche weitere hochinnovative Jungunternehmen, die oftmals völlig zu Unrecht übersehen werden. Zwar sind diese Unternehmen in komplexen Branchen angesiedelt, die deutlich mehr Zeit und Kapital für Forschung und Entwicklungen benötigen. Doch haben diese Unternehmen in der Regel mehr Substanz, was sie langfristig attraktiv für Investitionen macht.

Ein Beispiel dafür ist Curetis aus der Nähe von Stuttgart. Beim IPO an der Mehrländerbörse Euronext Mitte November 2015 sammelte das Biotechnologie-Unternehmen 40 Millionen Euro ein. Ebenfalls an die Euronext scheint es den Wirkstoffhersteller Noxxon aus Berlin zu ziehen. Und auch für den Tübinger Impfstoffhersteller CureVac könnte bald die Börsenglocke läuten. Zumindest dann, wenn es nach dem Hauptanteilseigner und SAP-Gründer Dietmar Hopp geht.

Ein wahrer Dauerbrenner in der Liste der möglichen Börsenneulinge ist zudem die hessische Brain AG, die im Bereich der weißen Biotechnologie tätig ist. Welches Potenzial wir uns entgehen lassen, wenn solche Unternehmen ignoriert werden, zeigt der Blick in die USA. Alleine im dritten Quartal 2015 gingen dort elf europäische Unternehmen aus dem Healthcare- und Biotechnologie-Sektor an die Börse. Dabei sammelten sie Kapital in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar ein.

Braucht Deutschland ein Technologie-Börsensegment?

Angesichts dieser Entwicklungen drängt sich die Frage auf, ob Deutschland ein eigenes Technologie-Segment im Wertpapierhandel benötigt. Die Deutsche Börse hat hierauf bereits ihre Antwort gegeben: Aktuell nicht. Und möglicherweise hat sie sogar Recht! Zwar gibt es, wie oben beschrieben, wieder eine Reihe deutscher Kandidaten für ein IPO. Aber genug, um damit ein eigenes Börsen-Segment zu rechtfertigen, sind es bislang nicht. Zudem ist zweifelhaft, ob Technologie-Unternehmen aus anderen europäischen Ländern ein deutsches Segment der US-Amerikanischen NASDAQ vorziehen würden.

Eine echte Alternative wäre eine europäische Technologie-Börse. Für die Unternehmen böte sie die Möglichkeit, nahe am eigenen Standort gelistet zu sein. Anleger hätten einen besseren Überblick über den Markt. Und der kann sich durchaus sehen lassen: Die Kurse von Börsenneulingen aus dem Technologie-Sektor haben an den Handelsplätzen in Paris, London und Berlin im Monat nach ihrem IPO um 20 Prozent zugelegt. In den USA waren es lediglich 6,7 Prozent. Das errechnete Bloomberg basierend auf gewichteten Durchschnittswerten.

Wirklich beeindruckend werden diese Zahlen, wenn man bedenkt, dass es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Trend zu einem immer späteren Börsengang gibt. Zwischen 2005 und 2007 waren die Technologie-Unternehmen beim IPO durchschnittlich sieben Jahre jung und erwirtschafteten einen Umsatz von 63 Millionen Dollar. Im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 betrug das Alter bereits zehn Jahre und der Umsatz lag bei 97 Millionen Dollar.

Das bedeutet aber auch: Wenn große Teile des Wachstums außerbörslich abgeschöpft werden, wirkt sich das zwangsläufig auf eine spätere Performance an der Börse aus. Den Anlegern entgehen mögliche Erträge. Ein attraktives und räumlich nahes Börsensegment könnte dieser Entwicklung entgegenwirken.

Fast 15 Jahre nach dem schmerzhaften Ende des Neuen Marktes dürften die Wunden auch bei den Privatanlegern hierzulande verheilt sein. Da trifft es sich gut, dass Deutschland wieder Börsengänge von Technologie-Unternehmen kann. Gemeinsam mit Europa wahrscheinlich sogar noch besser!

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