Vielen Dank für Ihre Nachricht!

Wir melden uns so bald wie möglich bei Ihnen.

Kontakt

Fehler bei der Eingabe:
Christoph Herr

Ich baue mir einen Konzern

Haben disruptive Geschäftsmodelle möglicherweise die Kraft, ganze Konzerne in ihrer Existenz zu bedrohen? Ist es denkbar, mit vorhandenen Tech-Startups einen moderneren Konzern zu bauen? Das soll am Bespiel Siemens einmal versucht werden, frei nach dem Motto „Ich bau mir einen Konzern“.

Disruptive Geschäftsmodell, so heißt es, bedrohen die Existenz der etablierten Unternehmen in allen Branchen und Märkten. Christoph Keese beschreibt in seinem Buch „Silicon Valley – was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt“ sehr detailliert, wie in den USA viele Personen und Gruppen permanent darüber nachdenken und diskutieren, wie man bestehende Märkte angreifen und von Grund auf verändern kann – mit neuen Technologien und Geschäftsmodellen. Aktuell sieht sich z.B. die Bankenwelt im Fokus der Aufmerksamkeit vieler Startups. Eigentlich eine Branche, der man vor kurzem noch nicht unbedingt zugetraut hätte, in Gefahr zu geraten durch völlig neue Geschäftsmodelle, die ihnen den angestammten Markt abgrasen. Aber mal ehrlich: welcher Kunde hätte sich gewünscht, anstelle von Konto und Bankleitzahl eine ewig lange SEPA-Nummer eingeben zu müssen, wenn er Online-Überweisungen durchführen will? Statt einer Vereinfachung wird es nur noch komplizierter. Startups mit klugen und kundenzentrierten Geschäftskonzepten haben es daher manchmal leicht, Bankkunden zu überzeugen und auf die eigene Seite zu ziehen.

Disruptive Geschäftsmodelle bedrohen viele Branchen

Bereits vor der Bankenwelt sahen sich aber auch viele andere Branchen der Gefahr von disruptiven Geschäftsmodellen oder auch von Produkt- oder Prozessinnovationen ausgesetzt. Machen wir doch mal die Probe auf´s Exempel und versuchen, einen bestehenden deutschen Konzern, sagen wir die Siemens AG, mit alternativen deutschen Hightech-Unternehmen „nachzubauen“. Ist das überhaupt möglich?

Der aktuelle Geschäftsbericht der Siemens AG weist die folgenden berichtspflichtigen Segmente aus:

Siemens 1

Der Bereich „Power & Gas“ beschäftigt sich mit den Themen

  • Strom erzeugen
  • Strom übertragen
  • Öl und Gas gewinnen, umwandeln, transportieren

Nun schauen wir, welche alternativen Unternehmen für diese Themen im deutschen Hightech-Markt in Frage kommen könnten. Als Hilfe fungiert dabei die Plattform spotfolio.com, auf der alle deutschen mittelständischen Hightech-Unternehmen (darunter viele Startups) sehr detailliert aufgeführt sind.

Neue Ansätze für das Erzeugen von Strom

Auf Basis einer Phrasensuche nach „Strom erzeugen“ werden mir 17 Unternehmen angezeigt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Drei wurden mit Risikokapital (Venture Capital, VC) finanziert, sind also noch jung und potenziell innovativ.

Eines der 17 Unternehmen verfügt über 6 Patente, auch dies ein möglicher Hinweis auf innovative Produkte. Hier suche ich genauer nach und finde spannende Informationen: „Die CCP Technology GmbH hat ein Verfahren entwickelt, mit dem die CO2-Emissionen stationärer Großanlagen, wie beispielsweise von Kraftwerken oder Zementanlagen, recycelt werden können.“ Es handelt sich offenbar um ein junges Unternehmen, denn ein Jahresabschluss ist noch nicht hinterlegt. Es wird als Kleinstunternehmen geführt, auch dieser Hinweis geht in die gleiche Richtung. Recyclen von schädlichen Emissionen? Ich glaube, dass ist ein erster Kandidat für meinen Selbstbau-Konzern!

Schauen wir uns aber auch noch die drei VC-finanzierten Unternehmen an. Eines davon ist die Next Kraftwerke GmbH. Die Homepage gibt Auskunft über den Geschäftszweck: „Next Kraftwerke vernetzt Biogasanlagen, Biomethan-BHKWs und Anlagen, die zur Stromerzeugung feste Biomasse nutzen wie etwa Holzheizkraftwerke, in einem virtuellen Kraftwerk. Anschließend bietet Next Kraftwerke die gebündelte Kapazität per Direktvermarktung am Spotmarkt der Strombörse an.“ Ein virtuelles Kraftwerk also, das unter Berücksichtigung der Bilanzsummen 2010 und 2011 in dieser Zeit offenbar bereits kräftig gewachsen ist.

Das nächste Unternehmen ist die Sonnenbatterie GmbH aus Bayern. Dazu sagt spotfolio.com: „Die Sonnenbatterie GmbH ist deutscher Marktführer für Lithium-Speichersysteme, die sie an ihrem Unternehmenssitz im bayrischen Wildpoldsried entwickelt und fertigt. Das intelligente und netzdienliche Speichersystem für Haushalte, Landwirte und Gewerbebetriebe wurde seit dem Markteintritt im Jahr 2011 nahezu 4.000 mal verkauft. Besitzer einer Sonnenbatterie können sich zu einem überwiegenden Teil mit selbst erzeugtem Strom versorgen und entlasten darüber hinaus die Stromnetze.“ Und etwas später der Hinweis auf einen möglicherweise disruptiven Ansatz, dem vermeintlichen Schrecken der Etablierten: „Kelberg in der Vulkaneifel: Familie Schmitt wagt, wovor Energiekonzerne zittern: Strom erzeugen sie selbst. Mit einem kleinen Blockheizkraftwerk und einer günstigen Batterie sparen sie mehrere tausend Euro im Jahr.

Dass die Phrasensuche auf spotfolio.com auch einmal daneben treffen kann, zeigt der dritte VC-finanzierte Kandidat. Hierbei handelt es sich um die finanzen.de, die u.a. eine Photovoltaik-Versicherung anbietet. Im Text kommt die Phrase „Strom erzeugen“ vor, aber in einem anderen Sinnzusammenhang.

Weitere Suchen nach neuen Geschäftsansätzen

Der Suchbegriff „Strom übertragen“ listet dagegen keinen verwertbaren Kandidaten für meinen Selbstbau-Konzern aus.

Bei „Öl gewinnen“ stoße ich auf einen Hersteller von Rapsöl. „Auf Basis von Rapsöl gewinnen wir hochwertigen High-Tech-Kraftstoff, der sowohl im ökologischen als auch ökonomischen Sinne einen deutlichen Schritt in die Zukunft geht: Nutzung nachwachsender Ressourcen.” Das klingt für mich richtig gut, zumal die Bilanzsumme 28 Mio. Euro beträgt und eine beträchtliche Summe rückgelegt wurde.

Siemens 2

Ein disruptiver Selbstbau-Konzern erscheint möglich

Insgesamt bin ich mit meiner Recherche ganz zufrieden. Ich habe innovative Konzepte und Technologien aus Deutschland gefunden, die zukunftsorientiert zu sein scheinen. Baue ich sie gleich in meinen Selbstbaukonzern ein? Ich zögere, weil ich die Branche nicht gut genug kenne. Zudem frage ich mich, wie werden sich die Unternehmen weiter entwickeln? Wie gut, dass es eine Monitoring-Funktion bei spotfolio.com gibt – ich werde die Entwicklung der Kandidaten zunächst einmal weiter beobachten und schauen, ob sie schnell wachsen und ihren Innovationsvorsprung halten können. Zudem richte ich den Spotfolio Technologie-Radar ein, damit mir neue Unternehmen, die sich ebenfalls mit den Themen „Strom erzeugen, Strom übertragen, Öl und Gas gewinnen, umwandeln, transportieren“ beschäftigen, nicht durch die Lappen gehen. Es könnte ja ein künftiger Global Player dabei sein.

Und demnächst mache ich weiter mit den übrigen Geschäftsfeldern der Siemens AG!

Über den Autor

Christoph Herr war lange Jahre in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom AG tätig, Technologie- und Innovationsexperte (Ideenwerkstatt der Deutschen Forschungsgemeinschaft Bonn), einer der Vordenker des High-Tech Gründerfonds, Investment Manager bei der eCapital AG, erfahrener Unternehmer und Gründer, Vorstand in der 7×7-Unternehmensgruppe, Geschäftsführung für einen Beteiligungsfonds der 7x7invest AG, mehrere Aufsichtsratsmandate, Lehrbeauftragter an der FH Köln.

Close