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Die Höhle der Löwen

Gründer und Investoren im TV, Wahrheit oder doch Fiktion?

Die zweite Staffel der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ hat erneut ein Millionenpublikum angezogen. Zahlreiche Gründer hatten wieder die Gelegenheit, ihre Startups mit einem Pitch vor den prominenten Investoren zu präsentieren und einen der begehrten Deals zu ergattern. Handelt es sich hier um seichte TV-Unterhaltung – oder ist dies ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer besseren Gründer- und Investment-Kultur in Deutschland?

Zunächst gilt es festzuhalten: Es ist absolut positiv, dass Formate dieser Art einem breiteren Publikum Themen wie Startup-Entrepreneurship und Wagniskapital näherbringen und diese stärker in den Fokus rücken. Die Macher der Sendung haben offenkundig vieles richtig gemacht, wenn auch ein Medium wie BILD den Anlass nutzt, um seinen Lesern Begriffe wie Break Even, Equity Capital oder Pitch zu erläutern. Gerade in einem Land wie Deutschland, das sich ansonsten leider nicht ausgesprochen gründerfreundlich präsentiert, kann dies auch das Selbstverständnis anderer Gründer unterstützen und für zusätzliche Motivation sorgen.

Verkürzte Darstellung

Bei genauerem Hinsehen stellt sich aber natürlich auch die Frage, wie realistisch das Bild ist, welches hier vom Zusammenspiel zwischen Gründern und Kapitalgebern gezeichnet wird. Ein Faktencheck zeigt schnell: Viele Prozesse, die im tatsächlichen Alltag eines Investors extrem zeitaufwendig sind, werden stark verkürzt dargestellt.

So entsteht ein Deal nicht allein durch einen Handschlag nach dem Pitch, sondern es folgen umfangreiche Vorprüfungen bis hin zur detaillierten Due Diligence. Bis zu einem tatsächlichen Investment vergehen in der Praxis oft mehrere Wochen bis Monate. Langwierige Prozesse und oft zähe Verhandlungen über die exakten Details der Verträge, die sich im Rahmen einer TV-Show verständlicherweise nicht 1:1 abbilden lassen. Und so verwundert es ehrlich gesagt auch nicht wirklich, wenn einige der „Deals“ sich im Nachhinein dann doch nicht als tragfähig herausstellen.

Fantasievolle Bewertungen

Auch in Bezug auf die Gründer selbst fällt jedoch eines auf: Viele der oft noch jungen Startup-Entrepreneure scheinen generell sehr in ihrer eigenen Wunschwelt gefangen. Das gipfelt nicht nur in – vorsichtig ausgedrückt – teilweise äußerst „fantasievollen“ Unternehmensbewertungen.

Viele der Businessmodelle selbst zeigen sich ebenfalls nicht wirklich ausgegoren. Häufig, so gewinnt man zumindest den Eindruck, fehlt es hier an der intensiven Auseinandersetzung mit dem Zielmarkt und dem tatsächlichen Bedarf der potenziellen Kunden, einer fundierten Analyse der Wettbewerbssituation und einer realistischen Strategie, wie das Startup mittel- bis langfristig wachsen und Geld verdienen wird.

Genau dies aber sind Schlüsselfaktoren, auf die Investoren besonders achten und mit denen sich Gründer deshalb so früh wie möglich beschäftigen müssen. Denn ein bloßer Businessplan,eine optisch beeindruckende Website oder ein Minimal Viable Product allein, hinter dem kein bis ins Detail durchdachtes, tragfähiges Geschäftsmodell erkennbar ist , hat in aller Regel nicht das Potenzial, einen Investor zufriedenzustellen. Hier muss auch der geplante Innovationsprozess erkennbar werden inklusive ganz konkreter Vorstellungen, wie die gesetzten Zielstellungen erreicht werden, Kunden und Aufträge akquiriert werden usw.

Dennoch: Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Staffel mit interessanten Pitches und neuen Ideen! 🙂

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