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#rp13

Startups auf der re:publica 13 – eine vertane Chance

Berlin sieht sich ja gerne als Deutschlands Startup-Hauptstadt. Kein Wunder also, dass auch auf der weltweit größten Blogger- und Internet-Konferenz re:publica 2013 (#rp13) Startups eine große Rolle spielten. Unter anderem gab es auch mehrere Sessions, in denen die Gründer in sogenannten Fünf-Minuten-Pitches ihre Ideen vor Publikum präsentieren durften.

Ich habe mich auf diese Sessions sehr gefreut, da ich mich immer gerne von Gründern und ihren Ideen inspirieren lasse. Leider muss ich im Nachhinein sagen, dass die Pitches im Großen und Ganzen enttäuschend waren. Ich möchte hier keines der Startups herausgreifen, dazu kenne ich die einzelnen Umstände und Ziele der Gründer zu wenig. Aber alles in allem überrascht mich die Blauäugigkeit der Gründer und die Tatsache, dass einige der vertretenen Startups schon eine Finanzierung erhalten haben. Nicht nur einmal habe ich mich gefragt wofür.

Dabei möchte ich gar nicht darauf herumreiten, dass es diverse Pannen gegeben hat, die zwar passieren können, aber in der Häufung doch bedenklich sind. Sie reichten von verpassten Auftritten (“Ist jemand von der Firma XYZ da? Nein?”) über nicht laufende Videos bis hin zu diversen anderen technischen Pannen. Schwamm drüber…

Viel bedenklicher sind folgende drei grundlegende Probleme:

1. Lösungen für Probleme, die keiner hat

Man mag nicht glauben, welche Probleme viele der präsentierenden Gründer hatten, den Nutzen ihrer Produkte (größtenteils handelte es sich um Webdienste und Apps) überzeugend darzulegen. Insbesondere weil es sich bei mehreren gezeigten Lösungen um Variationen schon bestehender – oder noch schlimmer, bereits wieder eingestellter – Dienste handelte. Merke: Kein Kunde zahlt für etwas, dessen Sinn sich ihm nicht auf Anhieb erschließt. Eine Geschäftsidee hat normalerweise erst dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie ein Bedürfnis der Kunden befriedigt. Existiert dieses Bedürfnis nicht, dann wird es schwierig. Bonus-Tipp: Kann man den Sinn und Zweck eines Produktes beziehungsweise einer Dienstleistung nicht erklären, hilft auch ein noch so schönes Image-Video nicht weiter, wie zweimal in einer Session gesehen..!

2. Geschäftsmodell

Unglaublich, wie viele Startups sich die tollsten Produkte und Dienstleistungen ausdenken, aber keine Vorstellung davon haben, wie sie damit Geld verdienen können. Sicher, Youtube, Instagram und einige andere erfolgreiche Internet-Startups wurden von Google, Facebook und Co. aufgekauft und haben so für sich und ihre Investoren einen guten Schnitt gemacht. Aber man muss da realistisch bleiben: Es ist wahrscheinlicher, einen Sechser im Lotto zu bekommen, als von einem großen Konzern für einen Milliardenbetrag aufgekauft zu werden. Deshalb lieber gleich einen Experten mit ins Boot holen, der bei der Entwicklung des Geschäftsmodells hilft. Dann hat das Ganze von Anfang an Hand und Fuß und auch die Finanzierung verliert ihren Schrecken. Nichts lieben Investoren mehr, als eine gute Erlösperspektive.

3. Leidenschaft

Generell kann mich ein Startup nur schwer überzeugen, wenn weder Sinn und Zweck des Produktes noch das Geschäftsmodell auf Anhieb klar ersichtlich sind. In diesem Fall muss mich zumindest der Gründer mit seiner Leidenschaft und seiner Fachkompetenz mitreißen (eigentlich sollte er das sogar immer tun), damit ich “am Ball bleibe”. Ich muss das Gefühl haben, da ist jemand, der will das unbedingt machen, der hat Freude daran und er weiß, was er tut. Wenn das passt, dann lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auch ein Geschäftsmodell herleiten. Ich will hier keinem zu nahe treten, aber an mitreißender Leidenschaft hat es mir bei fast allen Startup-Pitches gefehlt.

Falls Sie jetzt glauben, dass es in Berlin nur Startup-Nieten zu sehen gab, dann liegen Sie zum Glück falsch. Aber bezeichnenderweise gehörten die Startups, die mich begeistert haben, überwiegend zur Kategorie Non-Profit und Charity. Und das ist ja dann auch wieder irgendwie logisch. Denn diese Startups überzeugen, weil sie:

  • Ein konkretes Bedürfnis stillen (billiges Solarlicht für Entwicklungsländer, rechtefreie Hörbücher für Kinder, Absicherung Selbständiger, etc.).
  • Das Geschäftsmodell von vornherein klar ist (Spenden, Patenschaften, Beiträge, etc.).
  • Die Leidenschaft stimmt, denn alle diese Unternehmungen wurden ins Leben gerufen, weil die Gründer das Bedürfnis haben, Missstände zu beseitigen und Menschen zu helfen.

Gerade den letzteren Punkt sollten sich Startups, aber auch etablierte Unternehmen, grundsätzlich zu Herzen nehmen!

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