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Langfristige Innovationsfähigkeit

Von der Notwendigkeit Intrapreneure im Unternehmen zu haben

Was ein Entrepreneur ist, darüber haben ich schon ausführlich geschrieben. Aber wie nennt man jemanden, der wie ein Entrepreneur denkt und handelt, aber fest angestellt ist? Ganz klar: Intrapreneur!

Wie wichtig Intrapreneure für den Unternehmenserfolg sein können, zeigt sich an der Geschichte eines Mannes, auf den ich kürzlich in einer Oldtimer-Zeitschrift gestoßen bin. Sein Name war Ludwig Kraus und er ist eng mit den Geschicken mehrerer deutscher Autokonzerne in den 50er, 60er und 70er Jahren verknüpft. Seine Stationen lauteten Mercedes Benz, die Auto Union und Volkswagen. Am wichtigsten aber: Ohne ihn würde es heute vermutlich Audi nicht geben.

Als Ludwig Kraus im Herbst 1963 in Stuttgart seine Koffer packt, hat er schon einiges geleistet. Seine Motoren trieben sowohl den legendären Silberpfeil W196 als auch den darauf basierenden SLR 300 von Sieg zu Sieg. Aber er ist trotzdem nicht ganz zufrieden. Denn er will etwas bewegen und sein eigener Herr sein. Was er auf keinen Fall will ist, von hierarchischen Zwängen behindert zu werden. Hier blitzt erstmals der Intrapreneur in ihm auf.

Es trifft sich jedenfalls gut für ihn, dass Mercedes Benz mit der 1958 übernommenen Auto Union ein Problem hat: Die dortige Führung glaubt immer noch, der Zweitaktmotor sei das Maß aller Dinge. Leider sind sie die einzigen. Denn sowohl die Kunden, als auch Mercedes Benz sind anderer Meinung. Sie wollen keine knatternden, bläuenden und stinkenden Zweitaktmotoren mehr. Aber das Auto-Union-Management ist unbelehrbar und wirbt sogar damit, der Auto-Union-Dreizylinder sei gleichzusetzen mit einem Sechszylinder. Mercedes hat jedenfalls genug davon und schickt Ludwig Kraus nach Ingolstadt um dem Zweitakter den Garaus zu machen. Für ihn Herausforderung, Chance und Freiheit zugleich.

In Bayern angekommen, legt sich Kraus gleich mächtig ins Zeug. Doch er hat die Rechnung ohne seinen ehemaligen Arbeitgeber gemacht. Mercedes zieht bei der Auto Union 1964 die Reißleine und leitet den Verkauf an den Volkswagen-Konzern ein. Die dortige Führung, der legendäre Heinrich Nordhoff, fackelt nicht lange herum und trennt sich binnen kürzester Zeit vom renitenten Management. Schlimm für Kraus: Offenbar geht es Volkswagen weniger um eine Fortführung der Auto Union, als um zusätzliche Fertigungskapazität für den Immer-noch-Bestseller Käfer.

Doch die VW-Führung hat die Rechnung ohne Ludwig Kraus und dessen neuen Chef, den VW-Stadthalter Rudolf Leiding gemacht. Denn Kraus hat mit seiner Mannschaft aus dem DKW-Zweitakter F102 mit Hilfe eines Mercedes-Motors eine attraktive Viertakt-Limousine gezaubert. Leiding erkennt sehr schnell das Potential des Wagens. Er setzt das neue Auto bei Nordhoff durch und so kommt es, dass Mercedes und Volkswagen auf der IAA 1965 zum ersten und zum letzten Mal einen Gemeinschaftsstand haben. Zu sehen ist dort der erste Nachkriegs-Audi.

Obwohl der Wagen gut ankommt, will Volkswagen dennoch keine neuen Entwicklungen mehr aus Ingolstadt. Aber Kraus ist schon längst viel weiter. Heimlich entwickelt er das, was später einmal Audi 100 heißen wird. Also den Vorläufer des heutigen A6. Das Auto ist noch nicht ganz fertig, als der Prototyp von Leiding entdeckt wird. Der Skandal bleibt aus, denn Leiding ist begeistert. Auch er hat keine Lust lediglich ein Volkswagen-Zweigwerk zu leiten. Und so kommt es, dass gegen alle Vorgaben aus Wolfsburg, die Marke Audi plötzlich mit zwei Modellen da steht und die etablierte Konkurrenz ärgert.

Doch der große Auftritt von Kraus steht erst bevor. Immer noch will Volkswagen, dass die erste Geige in Wolfsburg gespielt wird. Auf das Angebot zu VW zu wechseln antwortet Ludwig Kraus mit einer frechen Kündigung und geradezu „unverschämten“ Forderungen. Und, er setzt sich durch! Am Ende entscheidet der VW-Vorstand, dass es in Zukunft nicht nur eine eigenständige Fahrzeug-Entwicklung in Ingolstadt geben wird, sondern dass diese auch noch finanziell üppig ausgestattet werden muss.

Kraus legt jetzt richtig los und rettet ganz nebenbei den Volkswagenkonzern. Denn die nächste Entwicklung aus seiner Abteilung wird später auf den Namen Audi 80 hören und ein weltweiter Bestseller werden. Inbegriff dessen, was Audi heute ist. Als jedoch 1968 Heinrich Nordhoff stirbt und 1971 Rudolf Leiding den Vorsitz in Wolfsburg übernimmt, hat VW seine besten Zeiten längst hinter sich. Hoffnungslos veraltete Modelle mit Heckmotor dominieren das Angebot und ein echter Verkaufsschlager ist nicht in Sicht. Leiding jedoch weiß, dass Kraus mit dem Audi 80 genau das richtige Auto in Petto hat um VW zu retten.

Der Audi 80 von Kraus wird mit einem Fließheck ausgestattet und so zum Volkswagen Passat „umgestaltet“. Und er wird ein echter Bestseller im VW-Programm. Dem nicht genug, werden in Zukunft die hochmodernen, von Kraus` Mannschaft entwickelten Motoren millionenfach Scirocco und Golf antreiben. Selbst das klassische Golf-Design hätte es ohne den ehemaligen Mercedes-Motorenentwickler Kraus nicht gegeben. Denn er war es, der den genialen Designer Giorgio Giugiaro zu VW brachte.

Und all das ist nur passiert, weil ein ambitionierter Motorenentwickler sich von seinen Vorgesetzten nichts sagen ließ, und immer nur das Große und Ganze im Blick hatte: Gute Produkte für das Unternehmen. Ein Mensch, der offenbar Herausforderungen liebte, mit Leidenschaft an der Sache dran war und immer die neuste Technologie im Blick hatte. Ein Entrepreneur im Unternehmen eben, also ein echter Intrapreneur.

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