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Richtig dicke Fische angeln – der Bewertungs- leitfaden für Investoren & Startups

Vorwort von Christian Lindner (FDP)

»Deutschland benötigt eine wirkliche Gründungskultur« – in Wahrheit ist das längst eine Binsenweisheit. Viele Appelle sind gut gemeint, doch sind die Worte verhallt, geht es oftmals weiter mit business as usual. Dabei ist klar: Die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und damit unser Wohlstand hängen angesichts der zunehmenden globalen Verflechtung und der Digitalisierung aller Lebensbereiche davon ab, ob und wie sich zukünftig in Wirtschaft und Gesellschaft Innovationskraft tatsächlich entfaltet.

Kein Zweifel, Deutschland benötigt ambitionierte Startups und junge Unternehmen mit außergewöhnlichen Ideen, neuen Geschäftsmodellen und – im Ideal – disruptiven Produkten bzw. Dienstleistungen. Nur dann können wir uns dauerhaft gegenüber den internationalen Herausforderungen behaupten. Ein grundlegender Wandel der Gründungskultur setzt voraus, dass die Menschen hierzulande umdenken. Eine Aufgabe für Gesellschaft und Politik gleichermaßen. Bereits in den Schulen und Universitäten gilt es, den Grundstein zu legen, dass aus klugen Köpfen erfolgreiche Unternehmer werden können.

Unternehmer sind die Motoren der technologischen Entwicklung und damit der Wirtschaft wie der Gesellschaft. Vielfach haben wir uns aber eingerichtet und das inzwischen vergessen. Schlimmer noch: In der öffentlichen Wahrnehmung ist das Image von Unternehmern und Selbstständigen häufig negativ besetzt. Dabei basiert der heutige Wohlstand allein auf dem Ideenreichtum und dem Engagement aufstrebender Unternehmer, die sich in den vergangenen Jahrzehnten im Wettbewerb behauptet haben.

Das immer weitere Ausgreifen des Wohlfahrtsstaats, Erhaltungssubventionen und Bürgschaften für kriselnde Unternehmen seitens des Staates haben dazu geführt, dass viele Deutsche vor allem nach Sicherheit streben. Unternehmerische Freiheit und Verantwortung, eng verbunden mit einer Selbstständigkeit, empfinden viele Bürgerinnen und Bürger daher nicht als Chance, sondern in erster Linie als Risiko. Oder als Störung der individuellen Komfortzone.

So überrascht es nicht, dass Deutschland laut dem »Global Entrepreneurship Monitor« (GEM) im Vergleich der 26 führenden innovationsbasierten Volkswirtschaften weit abgeschlagen auf dem 22. Platz rangiert. In Ländern wie Israel war die GEM-Gründerquote im Jahr 2013 doppelt so hoch wie in Deutschland. Gegenüber den USA schneiden wir noch weit schlechter ab.

Vor allem bei jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren zeigt sich, wie sehr sich die Gründungskulturen unterscheiden. In Israel zum Beispiel gründen dreimal mehr 18–24-Jährige ihr eigenes Unternehmen als in Deutschland. In den USA sind es sogar 400 Prozent mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste große technologische Innovation aus Deutschland kommen wird, ist demzufolge eher gering.

Diese Zahlen zeigen: Wir müssen heute und bei uns selbst beginnen, die Gründungskultur zu verändern, und das nachhaltig. Wir benötigen junge, kreative Unternehmertypen, die eigeninitiativ, dynamisch und risikobereit sind. Wir brauchen Startups, die die vorhandenen Chancen für technologisch anspruchsvolle Gründungen mit Freude nutzen. Wir brauchen eine Politik, die die Rahmenbedingungen so verändert, dass es Gründern leichter fällt, erfolgreich zu werden. Und wir brauchen eine Gesellschaft, die diejenigen fördert und unterstützt, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Gründer müssen wissen und spüren, wie wichtig sie für unser Land sind. Sofern notwendig, müssen sie eine zweite und dritte Chancen bekommen. Aufgabe der Politik ist es, für ein gründer- und beteiligungsfreundliches Klima zu sorgen. Wesentlich dabei ist ein Bekenntnis zu einer Technologieoffenheit und Innovationsfreude.

Das beginnt in den Köpfen der Menschen. Und zwar bereits in der Schule. Was an der Schule durch Kooperationen mit der Wirtschaft, speziell mit innovativen Unternehmen anfängt, sollte an der Hochschule fortgesetzt und vertieft werden. Unternehmertum muss Teil eines Lehrplans sein. Unabhängig davon, was man studiert. Denn in den Köpfen, wie gesagt, fängt es an.

Kapital ist die zweite wichtige Komponente im Startup-Eco-System: Kapitalgeber wie Business Angels und Seed-Fonds-Initiativen benötigen daher verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und motivierende Instrumente. So bekommen Gründer einen leichteren Zugang zum Wagniskapital. Denn Investoren beteiligen sich gern an innovativen Projekten, doch das möglich einfach. Darum gilt es, steuerliche und administrative Hemmnisse zu beseitigen.

Die dritte Säule bildet die Vernetzung und Kooperation von Gründern und Investoren im Rahmen eines Innovationsnetzwerks, so wie es uns andere Länder schon vormachen. Themencluster mit Fokus auf Schlüsselstandorte und Regionen stellen gerade vor dem Hintergrund einer digitalisierten Industrie eine Chance für unser Land dar.

Selbst die beste Gründungskultur nutzt wenig, wenn das Zusammenwirken von Startups und Investoren nicht funktioniert. Das vorliegende Buch macht sich darum verdient. Sven von Loh sensibilisiert mit Sachverstand Gründer wie Kapitalgeber für die jeweils andere Perspektive. Spannend sind die Einblicke, die er in die Denk- und Handlungsweisen von Wagniskapitalgebern gewährt. Zudem reflektiert er in einer gelungenen Kombination aus Tiefe und Breite, welche Faktoren den Unternehmenserfolg begünstigen, was bei der Finanzierung zu beachten ist und welche Lehren Startups aus diesen Befunden ziehen sollten.

Klar thematisiert er, woran es der deutschen Wirtschaft oftmals mangelt – etwa fehlt die Kompetenz, aus viel versprechenden Ideen erfolgreiche Produkte bzw. Dienstleistungen zu machen. Nicht zufällig ist der deutsche Markt für Risikokapital rückläufig. Auch zu den Defiziten und Hausaufgaben der Politik spricht er Klartext. Spannend und wohl begründet wird dargelegt, unter welchen Voraussetzungen Startups zum Innovations- und Jobmotor für die Wirtschaft werden können.

Ich bin überzeugt, dass dieses wichtige Buch von Investoren und Gründern mit Gewinn gelesen werden wird. Empfehlen möchte ich es auch denjenigen, die sich generell mit Wirtschaftsthemen befassen und verstehen möchten, welche Trends Gesellschaft und Wirtschaft aktuell beeinflussen und was es braucht, um renditestarke Firmen zu etablieren, die hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Düsseldorf im Mai 2015

Christian Lindner
Bundesvorsitzender der Freien Demokratischen Partei (FDP) sowie Vorsitzender des Landesverbands und der FDP-Landtagsfraktion in NRW.


Neue Geschäftsmodelle und junge Unternehmen sprießen tagtäglich hervor. Welche haben wirklich Zukunft? Lohnt es sich, Kapital zu investieren? Wie lässt sich das Beteiligungsrisiko bestimmen? Sven von Loh gibt klare Antworten. Sie erfahren, wie Gründer und Investoren jeweils aus ihrer Perspektive betrachtet „richtig DICKE FISCHE angeln“.

Weiter zum Buch.

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