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Richtig dicke Fische angeln – der Bewertungs- leitfaden für Investoren & Startups

Vorwort von Wolfgang Lubert (Private Equity Forum NRW e.V.)

Noch gehört Deutschland zu den größten Volkswirtschaften der Welt. Laut einer neuen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers drohen wir jedoch, in den nächsten Jahrzehnten von aktuell Platz 5 auf den zehnten Rang zurückzufallen. Viele internationale Investoren wenden sich bereits von den alternden und stagnierenden Volkswirtschaften Europas ab. Es wird also höchste Zeit, diesem Bedeutungsverlust Deutschlands entgegenzusteuern, anstatt zuzusehen, wie eine über Jahrzehnte gereifte Reputation, die mit »Made in Germany« schlechthin als Sinnbild für Innovation, Qualität und Mittelstand steht, langsam den Bach runter geht.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Noch verfügt die deutsche Wirtschaft über gute Substanz. Mangels eines ausreichenden Nachschubs an jungen Unternehmen mit neuen, innovativen Technologien und Geschäftsmodellen könnte der Versorgungskanal aber langsam austrocknen.

Dabei fehlt es in unserem Land weder an kreativen Erfindungen noch an ausreichenden Ideen für attraktive Unternehmensgründungen. Woran es bei uns wirklich mangelt, ist eine echte Gründungskultur. Gründen in Deutschland ist nicht sexy. Statt als Königsdisziplin zu gelten und gesellschaftliche Wertschätzung zu erhalten, sehen sich Gründer mit teils argwöhnischen Berichten konfrontiert. Und wer tatsächlich mit seinem Vorhaben scheitert, muss Häme aushalten wie »Haben wir uns doch gleich gedacht, dass das nichts wird!«. Die Kultur des Scheiterns ist verbesserungswürdig. Scheitern sollte erlaubt sein und darf nicht als persönliches Versagen lebenslänglich geächtet werden. Nach einem Flop sollte eine zweite Chance selbstverständlich sein. Auch das Scheitern beinhaltet schließlich Erfahrungen und einen unternehmerischen Erfahrungsgewinn, der beim nächsten Vorhaben entscheidend für den Erfolg sein kann.

Eine funktionierende Gründungskultur erfordert allerdings auch eine funktionierende Finanzierungsszene. Gründer mit einer brillanten Idee, einem visionären Produkt und strategischer Kompetenz benötigen Kapitalgeber, die sie dabei unterstützen, neue Märkte zu erschließen und schnell zu wachsen. Deutschland ist bezogen auf Venture Capital (VC) indes immer noch ein Entwicklungsland und rangiert im internationalen Vergleich auf einem der hinteren Plätze. Nicht nur, dass die Zahl der Anbieter viel zu gering ist, sondern es gibt darüber hinaus zu wenige Fonds und Investoren, die auch große Summen investieren können. Die sind nämlich immer dann erforderlich, wenn sich ein einst kleines Startup aus den Kinderschuhen herausentwickelt hat und zum internationalen Champion aufgebaut werden soll.

Nun muss jedoch auch betont werden, dass VC in Deutschland noch ein sehr junger Markt ist, der vor etwas mehr als 20 Jahren erst seinen Anfang nahm, während die VC-Tradition insbesondere auf den angloamerikanischen Märkten bis in die 1950er-Jahre zurückreicht. Kein Wunder also, dass unsere Investorenlandschaft und das Kapitalangebot noch lange nicht so üppig gediehen ist wie jenseits des großen Teichs. Das dauert halt seine Zeit und wird auch noch einige Jahre benötigen. Wichtig ist nur, dass wir damit aufhören, diese Entwicklung durch hämische Diskussionen über Unternehmensscheiterungen sowie völlig entbehrliche Feindbilder, etwa über einfallende Heuschreckenscharen, unnötig zu bremsen und damit das Image der VC-/PE-Branche immer wieder erneut durch den Kakao zu ziehen. Dabei gibt es doch viel Gutes zu berichten: Durch die Tätigkeit von Investoren sind in den letzten Jahren rund eine Million neue Arbeitsplätze in unserem Land entstanden. Zudem konnten mit Unterstützung von VC-/ PE-Investoren rund 10.000 kleine und mittlere Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit mitunter signifikant verbessern.

Halten wir also fest, dass sich der PE- und VC-Markt in Deutschland sukzessive zwar etabliert, aber immer noch einiges an Wegstrecke vor uns liegt. So werden wir insbesondere im Bereich der Frühphasenfinanzierung damit leben müssen, dass das Angebot an Venture Capital auch weiterhin eher überschaubar sein wird.

Angesichts dieser Situation ist es für Gründer unbedingt erforderlich zu wissen, wie Investoren »ticken«, was sie benötigen und unter welchen Voraussetzungen sie bereit sind, sich an einem Vorhaben zu beteiligen. Denn in der Regel kommt eine Chance, das eigene Vorhaben Investoren zu präsentieren, nicht so schnell wieder.

Umso wertvoller ist Sven von Lohs Buch. Der Szene-Insider zeigt, welche Erwartungshaltung Business Angel, Private Equity-Fonds und andere Risikokapitalgeber haben und wie sich das Miteinander von Gründern und VC-Investoren optimieren lässt. Denn darum geht es: Startups und VC-Geber müssen verlässlich und verantwortlich Hand in Hand zusammenarbeiten. Schließlich gehen viele Gründer ein hohes persönliches Risiko ein, um ihr Idee zu realisieren, während Investoren das ihnen von Dritten anvertraute Kapital einsetzen. Beide haben also viel zu verlieren, wenn ein Vorhaben scheitert.

Mehr Verbindlichkeit im Miteinander zwischen Gründern und VC-Investoren setzt voraus, die jeweils andere Perspektive genau zu kennen. Dies zu vermitteln, ist von Loh in beeindruckender Weise gelungen, indem er durch Zuhilfenahme seiner eigenen Unternehmerbrille darstellt, was der jeweils andere wirklich benötigt, um sich eine qualifizierte Meinung bilden und ein Komfortgefühl entwickeln zu können. So zeigt er zum Beispiel auf, dass für eine echte Nutzenstiftung eines Produkts oder einer Leistung immer ein konkretes, sehr genau zu definierendes Wertversprechen erforderlich ist. Zudem beschreibt er, worauf es hier ganz konkret ankommt und wie man sich der Thematik methodisch nähert. Auch geht er darauf ein, unter welchen Voraussetzungen Investoren ernsthaft interessiert sind, sich an einem Vorhaben zu beteiligen und wie sich der Prozess der Zusammenarbeit bis zum Exit erfolgreich gestalten lässt. Diese Tiefe seiner Ausführungen und die dadurch vermittelte Transparenz sind neu und für den Leser mit hohem Nutzwert verbunden.

Für Gründer ist von Lohs Buch daher geradezu eine Pflichtlektüre. Auch VC-Experten bietet es jede Menge interessanten Lesestoff, dessen Konsum nützliche Erkenntnisse bietet. In diesem Sinne erfolgreiches Schmökern!

Düsseldorf im Mai 2015

Wolfgang Lubert
Vorstandsvorsitzender
Private Equity Forum NRW e.V.


Neue Geschäftsmodelle und junge Unternehmen sprießen tagtäglich hervor. Welche haben wirklich Zukunft? Lohnt es sich, Kapital zu investieren? Wie lässt sich das Beteiligungsrisiko bestimmen? Sven von Loh gibt klare Antworten. Sie erfahren, wie Gründer und Investoren jeweils aus ihrer Perspektive betrachtet „richtig DICKE FISCHE angeln“.

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