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Unternehmertum

Was ein echter Serial Entrepreneur ist

Wenn man sich in der Gründer- und Startup-Szene umschaut, stellt man vor allem eines fest: Hinz und Kunz nennen sich Serial Entrepreneur oder Seriengründer. Aber halt! Nicht jeder, der ein Startup nach dem anderen in den Sand setzt oder mit einem Pivot, also mit “Winkelzügen” die Grundausrichtung seiner zum Scheitern verurteilten Firma ändert, verdient es, sich Serial Entrepreneur zu nennen.

Um zu erklären, was einen Serial Entrepreneur meiner Meinung nach auszeichnet, gilt es zunächst den Begriff “Entrepreneur” genauer zu beleuchten. Mit dem deutschen “Unternehmer”* ist er zwar richtig, aber nicht vollständig übersetzt. Denn während der deutsche Begriff vor allem die Funktion beschreibt (jemand der ein Unternehmen besitzt) beschreibt der in den USA gebräuchliche (und aus dem französischen stammende) Begriff Entrepreneur mehr eine Haltung. Man könnte auch sagen, der Entrepreneur ist ein “Vollblutunternehmer”, jemand zu dessen Selbstverständnis das unternehmerische Denken und Handeln gehört.

Demnach ist also ein Serial Entrepreneur jemand, der aus Überzeugung und mit Leib und Leben unternehmerisch tätig ist und, sobald er ein Unternehmen erfolgreich etabliert hat, das nächste gründet. Der Punkt dabei ist: Der Serial Entrepreneur ist nach meiner Definition mehrfach erfolgreich und er tut das nicht, weil er damit einfach nur Venture Capital einsammeln kann, so wie es gerade deutsche Internet-Unternehmer scheinbar gerne machen. Vielmehr geht es um eine innere Unruhe, etwas zu bewegen, etwas großartiges zu schaffen.

Ein Beispiel für einen typischen Serial Entrepreneur ist der Lebenslauf des Tesla-Gründers Elon Musk:

Stellen Sie sich vor, Sie sind 12 Jahre alt, können schon programmieren und haben gerade ihr erstes Videospiel verkauft. Da wundert es nicht, wenn Sie mit 16 kurz davor sind in Ihrer Heimatstadt Pretoria eine Videospiel-Halle aufzumachen. Oder? Leider werden Sie von der Stadtverwaltung und Ihren Eltern daran gehindert. Also machen Sie sich auf nach Kanada und später in die USA und studieren dort erst einmal.

Für Elon Musk (und seinen Bruder Kimbal) ging es jetzt erst richtig los. Sie gründeten 1995 Zip2 und waren damit die ersten, die im großen Stil “Content” für das Digitalzeitalter produzierten. Die Traktion der Firma war so immens, dass sie sie nur vier Jahre später für damals sagenhafte 307 Mio. US-Dollar an Compaq verkaufen konnten. Jeder andere hätte sich jetzt (mit 28!) eine schickes Penthouse gekauft und sich dort zur Ruhe gesetzt um in Ruhe seinen Anteil von 22 Mio US-Dollar zu verjubeln.

Elon Musk hingegen machte sich sofort an die nächste Unternehmung. Er gründete X.com, weil er erkannte, dass die kommende Online-Welt ein spezielles Bezahlsystem brauchen würde. Über Umwege entstand aus dem Startup der heutige Platzhirsch unter den Bezahlsystemen, nämlich PayPal. Der Verkauf an Ebay machte wegen des erzielten Erlöses Geschichte: 1,5 Milliarden US-Dollar! Jetzt aber spätestens hätte sich doch jeder vernünftige Mensch eine Karibik-Insel gekauft und sich dort zur Ruhe gesetzt, mit der Gewissheit all das viele Geld (ihm gehörten 11,7 Prozent von PayPal) niemals im Leben ausgeben zu können.

Nicht Elon Musk, der daran glaubte, dass die kommerzielle Raumfahrt dringend privatisiert gehört. Also gründete er SpaceX. Die Firma entwickelte mit der Falcon 1 die erste private Trägerrakete. Heute versorgt sie unter anderem für die NASA die Raumstation ISS. Und zwar zu einem Drittel der Kosten!

Dann, praktisch parallel zu SpaceX folgt 2003 der nächste Schlag: Tesla Motors! Viele Leute erfassen kaum, auf wie vielen Gebieten der Elektroauto-Pionier disruptiv auf die gesamte Autobranche wirkt. Da wäre beispielsweise die Akkutechnologie und deren Steuerung. Die war so revolutionär, dass letztendlich Panasonic, Toyota und Daimler nicht umhinkamen eine Partnerschaft mit den Kaliforniern einzugehen.

Aber das ist nicht alles: Beispielsweise entwickelt Tesla nicht nur ein vollkommen neues Energieversorgungskonzept für Fahrzeuge mit Akku-Wechselstationen, die doppelt so schnell arbeiten wie herkömmliche Tankstellen, nein, man legt sich auch noch gleich mit einem besonderen Storekonzept mit der gesamten amerikanischen US-Händlerschaft an, die Direktverkäufe von Autos durch die Hersteller bisher nicht gestattet hat.

Noch arbeitet Tesla mit Verlust. Aber man ist sich sicher, dass man mit neuen Modellen (ein SUV und ein günstigeres Mittelklasse-Fahrzeug sind in Arbeit) nicht nur die von GM und Toyota übernommene Autofabrik NUMMI auslasten können wird, sondern auch Gewinne erwirtschaften wird.

Woher das kommt? Ganz einfach: Tesla ist der erste Autohersteller, der eben nicht wie die alte Auto-Industrie tickt und arbeitet, sondern wie ein Internet-Startup. Viril, mit flachen Hierarchieebenen und einem gewissen Missionseifer. Das hat direkte Auswirkung auf die Geschwindigkeit, mit der neue Produkte lanciert werden und die Innovationsfreude.

Ach ja, obwohl Elon Musk sich überwiegend der Entwicklung von Tesla widmet, hat er 2006 nebenbei noch ein weitere Unternehmung initiiert: SolarCity. Heute der amerikanische Marktführer beim Bau von Solaranlagen für Wohnhäuser.

Dieses Beispiel steht lediglich stellvertretend für viele andere, ähnliche Biografien. Steve Jobs beispielsweise hat (zusammen mit Steven Wozniak) Apple gegründet, wurde dort geschasst, kaufte von Lucas Arts Pixar und machte daraus zusammen mit solchen Digital-Pionieren wie John Lasseter den später von Disney für 7,4 Mrd. US-Dollar gekauften Computer-Animationsspezialisten. Wussten Sie, dass Pixar seinerzeit auch ein Computerhersteller war? Das musste sein, denn für das, was Pixar damals mit solchen Blockbustern wie Toy Story machte, brauchte es spezielle Hardware.

Nebenbei gründete er noch NeXT, verkaufte es später sehr profitabel an Apple, wurde dort wieder angeheuert und baute in den darauf folgenden Jahren den einstmaligen “Computerhersteller” zu einem der einflussreichsten Unterhaltungselektronik-Konzerne der Welt um.

Als letztes Beispiel mag der Deutsche Andreas Bechtolsheim dienen. Er verdient schon mit 17 sein erstes Geld aus Lizenzgebühren für eine von ihm entwickelte, computergesteuerte Blechstanzmaschine. 1974 gewinnt er dann mit 18 Jahren den Wettbewerb Jugend forscht. 1982, nach dem Studium in den USA gründet er noch als als Doktorand zusammen mit Partnern den Computer- und Software-Hertseller Sun. Es war damals ein von 8-Bit-Rechnern beherrschte Welt. Bechtoldsheim und seine Sun-Mitstreiter glaubten jedoch an 32-Bit und – schon damals! – an vernetzte Rechner. Sun schlug ein wie eine Bombe und erzielte ab 1988 Milliardenumsätze.

Nachdem Sun gut lief, gründete Bechtolsheim 1995 Granite Systems, einen Hersteller für Internet-Switches. Im Jahr darauf wurde die Firma dann von Cisco für 220 Mio. US-Dollar übernommen. Es folgte eine weitere Gründung, Kealia. 2004 von Sun übernommen, was dazu führte, dass Bechtolsheim dort wieder eine führende Position übernahm. Später dann eine abermalige Gründung, der Cloud-Hardware-Spezialist Arista Networks.

Überflüssig zu erwähnen, dass Andreas Bechtolsheim nebenbei auch investierte und weiteren Unternehmen zu einem erfolgreichen Start verhalf. Darunter unter anderem auch Google, wo er Investor der ersten Stunde war.

Sehen Sie jetzt, was ich meine? Das sind Serial Entrepreneurs! Menschen, die wirklich etwas bewegen, die so etwas wie ein Unternehmergen haben. Denn Sie schaffen nicht nur einen, sondern gleich mehrere Megaerfolge.

*Tipp: Wer sich näher mit der Definition des “Unternehmers” und seiner Motivation beschäftigen will, dem sei die Lektüre des Standardwerks “Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung” von Joseph Schumpeter empfohlen. Der in Österreich geborene Ökonom hat schon 1911 bzw. 1926 sehr genau beschrieben, wie Unternehmertum und Innovation (er nannte es “Kombination” und “schöpferische Zerstörung”) zusammenhängen.

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