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Don`t follow the money, create value instead!

Werte schaffen statt schnelles Geld scheffeln

Ich hadere immer wieder mit der aktuellen Startup-Kultur. Es scheint mir alles viel zu einfach zu sein. Alles, was man heutzutage offenbar braucht, ist eine (zumeist abgekupferte) Idee für einen trendigen Webdienst, dazu die passende App und schon fließen die Millionen VC-Kapital. Das Geschäftsmodell? Ach was, das wird sich schon noch ergeben. Lasst uns erst einmal loslegen und zur Not finanzieren wir es über Werbung.

Ok, sicher, ganz so einfach ist es in der Realität doch nicht. Aber das Modell kommt Ihnen sicherlich bekannt vor. Oder?

Spektakuläre, erfolgreiche Startups waren für mich immer solche Unternehmen, die mit einer revolutionären Vision der Gründer anfingen. Mit unbändigem Willen, etwas Glück und viel Know-how haben sie ihr Unternehmen vorangetrieben. Dabei verfolgten sie ein Ziel: Die Welt zu verändern, wenn nicht sogar zu verbessern. Das waren Gründungen wie Hewlett Packard, Apple oder Microsoft. Später dann Google, Amazon oder Tesla. Das sind natürlich nur die prominentesten Vertreter dieser Gattung. Es gibt auch zig kleinere, vielleicht sogar noch innovativere Neugründungen der letzten Jahre, wie etwa den Storage- und SSD-Spezialisten Fusion.io, der mit seiner Technologie Festplatten in Rechenzentren obsolet werden lässt.

Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie mit dem Ziel gegründet wurden, zu skalieren, ganze Märkte zu revolutionieren und letztendlich viel Geld zu verdienen. Genauer gesagt ging es den Gründern und ihren Investoren darum, einen bleibenden Wert zu schaffen! Niemand kann behaupten, dass ihnen das nicht gelungen wäre!

Dem gegenüber steht eine neue Klasse von Startups, die nur einen Zweck haben: aufgekauft zu werden. Begonnen hat dieser – ich will mal sagen unheilvolle – Trend mit Youtube. Es ist ja heutzutage kaum noch bekannt, aber es gab eine Zeit, in der Youtube noch nicht Teil von Google war. Gegründet von drei ehemaligen PayPal-Angestellten wurde der Video-Dienst 2006 an Google verkauft. Für damals sagenhafte 1,3 Milliarden Euro! Ein satter Schnitt für alle Beteiligten.

Solche Deals hat es zuvor auch schon gegeben. Beispielsweise mit besagtem PayPal, das 2002 ebenfalls für einen Milliardenbetrag den Besitzer wechselte und Teil von eBay wurde. Aber Paypal ist im Wesentlichen eine Bank, Youtube hingegen ein reiner Online-Dienst. Der Unterschied: Für reine Webdienste braucht man, zumindest in der Startup-Phase, kaum Geld und kein spezielles Know-how. Ein paar Computer, etwas Software und Programmier-Know-how genügen – zugegebenermaßen sehr vereinfacht gesprochen. Aber Sie wissen, was ich meine.

Später wiederholte sich der Youtube-Erfolg mehrfach. Erst kürzlich mit Tumblr (gekauft von Yahoo! für 1,1 Mrd. Dollar) oder etwa mit dem Bilderdienst Instagram, den sich Facebook 2012 für eine Milliarde US-Dollar einverleibte. Und das ganz ohne Geschäftsmodell! Weder Tumblr noch Instagram haben bis heute wirklich Geld verdient! In Deutschland gelang den StudiVZ-Gründern 2007 ein ähnlicher Coup, als sie ihr Facebook-Pendant an Holzbrinck verkaufen konnten.

Das Businessmodell “Lass uns aufgekauft werden” funktioniert heute scheinbar noch viel besser, als zu Youtube-Zeiten. Denn während Youtube und Co. noch Abermillionen VC-Dollar für Server und Traffic verbrannten, sind diese Kosten heutzutage fast schon vernachlässigbar. Den Cloud-Services von Amazon und Google sei Dank. Und dementsprechend schießen Startups wie Pilze aus dem Boden, die ganz offensichtlich nur ein Ziel haben: Etwas zu schaffen, das ein etablierter Online-Anbieter, sei es Google, Facebook oder ein großes Verlagshaus, kaufen könnte.

Und wenn man schon keine Idee für den ganz großen Wurf hat, dann will man wenigstens zeigen, dass man etwas kann. Mit dem Ziel, als Mitarbeiter übernommen zu werden. So in jüngster Zeit geschehen etwa mit Summify und Posterous, die sich beide Twitter einverleibt hat. Wie man munkelt ausschließlich, um an die jeweiligen Mitarbeiter zu kommen. Für die Gründer war es jedenfalls ein guter Deal: ein paar Millionen Handgeld und ein neuer Job!

Was die vielen Gründer solcher Startups übersehen ist, dass sie vermutlich mit Lottospielen mehr Erfolg hätten, als darauf zu setzen, aufgekauft zu werden. Hinter jedem Instagram stehen zig andere ähnliche Dienste, die grandios scheitern. Im besagten Fall waren das beispielsweise Picplz, Histagram (die hatten sogar den gleichen VC wie Instagram), Color und wie sie alle geheißen haben mögen.

Was für eine Verschwendung an Hoffnungen, Energie und Kapital! Ist es da nicht viel besser, von Anfang an auf ein richtiges Geschäftsmodell zu setzen?

Mich interessieren Gründer und Startups, die von Anfang an Werte schaffen wollen. Gründer, die eine Vision jenseits von “ich will aufgekauft werden” haben. Startups, die ein skalierbares Businessmodell verwirklichen wollen und mit einer langfristigen Zukunft rechnen. Wenn ich mich engagiere (in welcher Form auch immer), dann denke ich langfristig. Mir ist langsames, beständiges und vor allem nachhaltiges Wachstum lieber, als die vage Aussicht, irgendwann mal vielleicht den Jackpot zu ziehen. Insofern heißt es für mich: “Don`t follow the money, create value instead!”

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