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Wie Sie ihren Unternehmenswert bestimmen

Und dabei an den richtigen Stellschrauben drehen

Was kann ein Unternehmen wert sein, das noch kein Produkt verkauft hat? Eine Frage, die direkt zum Blick in die Kaffeetasse auffordert, sobald sie ausgetrunken ist. Der Grund: Solche Prognosen grenzen oft an Kaffeesatzleserei, denn viele Annahmen sind höchst subjektiv – und spiegeln die jeweiligen Interessen der Parteien wider, die einen Unternehmenswert ermitteln wollen. Dennoch gibt es Methoden, die bei diesem zentralen Thema für eine gute Orientierung sorgen. Beim Kaffeesatz lässt sich ja auch festlegen, welche Menge sich in der Tasse befindet.

Wer sich dem Wert eines Startups annähern will, kann zu diesem Zweck auf eine Reihe von etablierten Verfahren zurückgreifen. Dann hat er weit mehr in der Hand, als ein Kaffeesatzleser herausfinden würde. Zu diesen Verfahren gehören:

  • Das Substanzwertverfahren
  • Das Ertragswertverfahren (in zwei Varianten)
  • Die Multiplikatormethode

Wer diese Methoden nutzt, kann Parameter in die Kalkulation einbauen, die zu einem erheblichen Teil auf objektiven Fakten aufbauen. Es gibt aber auch Aspekte der Unternehmensentwicklung, die sich nicht quantitativ erfassen lassen, etwa das künftige Markenimage, Synergieeffekte oder die Fähigkeit der Gründer, ihr Produkt erfolgreich zu „verkaufen“.

Daher sollte allen Beteiligten klar sein: Den „richtigen“ Unternehmenswert gibt es nicht! Es geht immer darum, eine Bandbreite zu ermitteln, in der ein marktgerechter Wert liegen kann. Daher lautet die Bedingung für das Engagement eines Investors: Er und der Eigentümer sollten dem Startup einen ähnlich hohen Wert zubilligen. Nur dann besteht die Chance, sich bei Verhandlungen auf einen Kaufpreis zu einigen. Das gilt genauso für andere Situationen im Geschäftsleben. Etwa, wenn Banken einen Kredit für Expansionspläne vergeben sollen, oder ein neuer Geschäftspartner aufzunehmen ist. Auch bei derartigen Verhandlungen ist der Unternehmenswert eine wichtige Grundlage.

Wenn die Gründer den Wert ihres jungen Unternehmens bestimmen wollen, müssen sie die wesentlichen Aspekte ihres Geschäftsmodells reflektieren. Was sind die Grundlagen ihrer Finanzplanung? Auf welchen Annahmen basiert sie – und wie realistisch sind sie? Was sind die Werttreiber des Startups? Und schon grenzt diese Arbeit nicht mehr an Wahrsagerei.

Hinzu kommen eine Reihe interessanter Aspekte, die in jede Bewertung einfließen:

  • Der Markt: Ist ein Markt durch überdurchschnittliches Wachstum charakterisiert, wirkt sich das positiv auf den Wert des Startups aus. Falls für das neue Unternehmen ein nur mäßiges Wachstum erwartet wird, ist immer noch ein gutes Ergebnis möglich. Allerdings gilt: Viele Risikokapital-Geber erwarten von Anfang an, dass ein Unternehmen stärker als die Peer-Group wächst.
  • Die Konjunktur: Ein schwacher konjunktureller Hintergrund lässt den Wert eines Startups sinken, weil in einem solchen Umfeld nur niedrige Umsatzzuwächse zu erwarten sind. In diesem Fall wird der Investor seiner Wertermittlung wahrscheinlich eine höhere Risikoprämie zugrunde legen.
  • Das Gründer-Team: Stimmt das Team, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Geschäftsidee am Markt Erfolg hat. Wer ein gutes Management zu bieten hat, sammelt Pluspunkte bei der Bewertung seines Startups.

Auf diese Weise können Gründer eine Vielzahl von Argumenten und Zahlen zusammenstellen, um sich dem Wert ihres Unternehmens anzunähern. Weitere Punkte sind: Reputation, Kanäle zur Distribution, Markt-Traktion, Anteile von Mitarbeitern usw. Alles ist zu durchleuchten, alles ist wichtig! Das zahlt sich am Ende doppelt aus: Die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Vorhaben führt zu solidem Datenmaterial, das direkte Diskussionen mit Kapitalgebern erleichtert. Und: Die Unternehmensbewertung steht nicht auf wackligen Beinen.

Vor dem Einstieg in Verhandlungen ist noch eine Frage zu klären: Handelt es sich um einen Pre-Money- oder Post-Money-Unternehmenswert? Von einer Pre-Money-Bewertung ist die Rede, wenn sie zu einem Zeitpunkt stattfindet, der vor dem Engagement des Investors liegt. Das bedeutet: Wenn der Kapitalgeber 5 Millionen Euro investiert, so bekommt er bei einem Unternehmenswert von 15 Millionen Euro einen Anteil von 25 Prozent. Sein Investment steigert den Wert des Unternehmens. Wie sieht eine Post-Money-Bewertung aus? Jetzt erhöht der Investor nicht den Wert des Unternehmens, er sichert dessen Existenz. Denn er stellt 5 Millionen Euro zur Verfügung, was aber einem Drittel aller Geschäftsanteile entspricht. Dieselbe Summe führt also zu sehr unterschiedlichen Möglichkeiten der Einflussnahme – abhängig vom Zeitpunkt der Investition.

Wer aber dem monetären Unternehmenswert ein zu großes Gewicht gibt, läuft Gefahr, wichtige Aspekte bei seiner Entscheidung zu vernachlässigen: Klar, vom Wert des Startups hängt die prozentuale Beteiligung eines Kapitalgebers ab. Aber es kann sinnvoll sein, ein paar Prozentpunkte mehr abzugeben, wenn der Investor Know-how aus der Branche einbringt, wertvolle Kontakte hat, oder sich einzelne Passagen im Beteiligungsvertrag günstiger gestalten lassen.

Auf die Verhandlungen kommt es an: Liegen erste Eckwerte auf dem Tisch, besteht die Aufgabe darin, die Interessen der Parteien zusammenzuführen, etwa beim Einstieg eines Risikokapitalgebers. Die genaue Höhe einer Beteiligung ist festzulegen – auf der Grundlage eines konsensfähigen Unternehmenswertes. Oft fließen dabei gegensätzliche Interessen in die jeweilige Berechnung ein, was dazu führt, dass Parameter im Sinne der eigenen Position definiert werden. Um diese Stellschrauben besser zu verstehen und richtig einzusetzen, werden jetzt die bereits erwähnten Verfahren erläutert.

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